Digitale Betriebsprüfung – Kassenbetriebsprüfung

Von und mit RA Dr. jur. Jörg Burkhard, FA f Steuerrecht und Strafrecht, Wiesbaden

Wer kennt die Situation nicht: Während eine Betriebsprüfung konfrontiert Sie der Betriebsprüfer mit einem Chi- Quadrat-Test, mit einem Zeitreihenvergleich, mit einer Zeitzonenanalyse und anderen statistischen Auswertungen und meint, das erklärte Ergebnis könne nicht stimmen, er müsse 50.000 € pro Veranlagungszeitraum hinzu schätzen. Er präsentiert Ihnen eine Grafik, die einen Zickzackkurs zeigt, der sie an ihren letzten Urlaub in den Bergen erinnert: Ein Zacken höher als der andere. Der Prüfer meint nur, dass aufgrund dieses Bildes klar sei, dass der Steuerpflichtige hinterzogen habe und der höchste Zacken, das soll der allerhöchste unmanipulierte Rohgewinnaufschlagssatz sein, der nun für das ganze Jahr angesetzt werden würde. Statt bislang 243 % Rohgewinnaufschlagsatz sollen es nun 396 % sein.

Der Mandant staunt, schüttelt den Kopf und meinte das kann ich stimmen. Der Prüfer lacht und sagt, dass sagen sie alle. Was sagen Sie?

Die Betriebsprüfungen haben sich stark verändert. Und sie werden sich weiter stark verändern. Hier ist vieles im Fluss und sie müssen als Steuerberaterin bzw. Steuerberater mit der Entwicklung Schritt halten. Die Technik schreitet voran und die Prüfungsmethoden ändern sich. Die digitale Betriebsprüfung wird immer mehr kommen. Einerseits werden Prüfungen rasch beendet sein, weil formale Bedingungen nicht erfüllt sind (bei elektronischen Kassen fehlt etwa die Bedienungsanleitung, die Dokumentation der Ersteinrichtung und etwaige Änderungsprotokolle) bzw. in GoBD- Zeiten fehlt eventuell die Verfahrensdokumentation oder sie ist nicht so eingehalten wie niedergelegt, das interne Kontrollsystem fehlt und schon wird die Buchführung verworfen.

Und dann wird es noch schlimmer: Wie können sie eigentlich buchen und Steueranmeldungen bzw. Steuererklärungen fertigen, wenn für jeden Fachmann doch klar ersichtlich ist, dass aufgrund der digitalen Prüfungsmethoden die vom Steuerpflichtigen vorgelegten Ergebnisse nicht stimmen können? Was können oder müssen Sie selbst prüfen um sich und ihr Büro abzusichern? Wie können Sie eine Haftung für die Steuerschulden des Mandanten nach §§ 191, 71 AO bzw. eine eigene Leichtfertigkeit oder gar einen bedingten Vorsatz bei sich und Ihren Mitarbeitern ausschließen? Wie können sie dem Mandanten helfen, der in eine Betriebsprüfung mit angeblichen Unplausibilitäten konfrontiert wird? Und ist der Hinterzieher immer der Mandant oder werden hier möglicherweise auch Fehler von Mitarbeitern aufgedeckt? Bewusste Fehler von Mitarbeitern, Unterschlagungen und Diebstahl oder einfach nur handwerkliche Fehler?

Die Schwellentheorie der Steuerberater, dass die Steuerberater nur für das, was innerhalb ihrer Büroräume, also innerhalb ihrer Büroschwelle passiert, zuständig sind und für alles jenseits der Eingangsschwelle sie nicht verantwortlich sind, ist längst aufgeweicht. Die Kassensysteme zeichnen betriebswirtschaftlich und verprobungstechnisch sehr viel auf. Es ist längst mehr als nur eine Erfassung der Umsätze: Hier gibt es richtige betriebswirtschaftliche Auswertungen und Verprobungen. Damit müssen sie sich auseinandersetzen. Und vor allem ist höchste Vorsicht für den Mandanten aber auch für sie angebracht, wenn die täglichen Ausdrucke, die der Z-Bon auswirft, nicht vollständig aufbewahrt werden … Der Mandant meint vielleicht, das viele Papier interessiere ihn nicht oder er verstehe es nicht und das lese er gar nicht und er wirft es weg, weil er es für überflüssige Schnipsel hält. Diese Schnipsel sind aber viel Geld wird, weil er dann, wenn er sie wegwirft, gegen seine Aufbewahrungs-und Vorlagepflichten verstößt, wenn der Prüfer sieht, was die Kasse alles täglich ausdruckt und der Prüfer nur einen Bruchteil davon vorgelegt bekommt. Dann folgt aus dem Wegwerfen dieser Schnipsel die Zuschätzungen des Prüfers. Diese paar Schnipsel können dann schnell gerne 30, 40 oder 50.000 € oder mehr pro Jahr wert sein.

Rechtsanwalt Dr. Jörg Burkhard, Fachanwalt für Steuerrecht und Fachanwalt für Strafrecht, Wiesbaden, bekannt aus zahlreichen Vorträgen auch bei DATEV, Teletax und anderen, der auch schon letztes Jahr in der Steuerberater Bezirksgruppe Südpfalz zu Gast  war und viel zur Selbstanzeige erläuterte, berichtet über eine spannende und extrem wichtige Welt der digitalen Betriebsprüfung bei den Mandanten. Er erläutert, was gerichtsverwertbar einen Hinterziehungsnachweis darstellt und was nicht. Chi-Quadrat, Benford´s Law, Z-Bon, X-Bon, die Relation von Wetterdaten zu Umsatz und zahlreiche andere Verprobungen zeigt er instruktiv und spannend. Ein unterhaltsamer und brillanter Vortrag, der zeigt, wie wichtig es ist, dass alle mit diesen Prüfungstechniken aber auch mit den Kassen der Mandanten auseinandersetzen. Die Schwellentheorie ist längst überlebt und der sorgfältige Steuerberater, der aber auch seinen Mandanten und sich absichern möchte, muss in den Betrieb und sich mit der Kasse des Steuerpflichtigen auseinandersetzen. Dr. Burkhard zeigt den Weg hierzu, der sich in den nächsten Jahren noch deutlich intensivieren wird.

Knapp 2 Stunden geballtes Wissen, mit zahlreichen Praxisbeispielen und der Einladung, aktiv mit zu diskutieren und mit zu analysieren.

Zu RA Dr. Burkhard: www.drburkhard.de oder www.streitiges-steuerrecht-burkhard-steuerstrafrecht.de

Das Treffen der Bezirksgruppe Südpfalz  findet am

20.9.2016 um 17:30 Uhr

im Restaurant Kunz in 66954 Pirmasens -Winzeln ,  Bottenbacher Straße 74,  Tel. 0 63 31/8 75-0 statt.