StB-Bezirksgruppe Pirmasens: 17.06.15, 18 Uhr, Pirmasens

 

„Die Selbstanzeige im Wandel – was ist neu – wo sind die Probleme – wie vermeide ich Haftungsrisiken?“ Mit Praxishinweisen und Checklisten für Steuerberater.

1,5 bis 2 Stunden interessantes, unterhaltsames und spannendes Steuerrecht im Spannungsfeld von Haftungsrisiken, Absicherungsmechanismen am Rande der Steuerhinterziehung: kurz werden die wesentlichen praxisrelevanten Neuerungen der Selbstanzeige zum 01.01.2015 erläutert. Danach werden 11 instruktive Fälle exemplarisch erläutert, die es in sich haben:

es geht los mit dem Klassiker: Mandant mit Schweiz-Konto möchte eine Selbstanzeige beim FA abgeben. Er hat keine Unterlagen. Was tun? Mandant wegschicken und Unterlagen besorgen lassen? Was, wenn er beim Grenzübertritt mit den Belegen erwischt wird? Dem FA das Problem schildern und um Fristverlängerung bitten? Wie lösen Sie den Fall?

Sie haben sich für eine Schätzung entschieden. Sagen wir, Sie schreiben 100.000 € als Steuerhinterziehung. Insgesamt oder in jedem Jahr? Welche Zahl und welche Veranlagungszeiträume nennen Sie?

Sie haben, weil Sie es nicht besser wissen, sich mangels Unterlagen für 100.000 € p.a. entschieden … das FA erlässt umgehend Schätzungsbescheide auf dieser Grundlage. Ihr Mandant zahlt diese. Nach 3 Monaten liegen Ihnen die Bankbelege vor. Da kommen Steuerschulden zwischen 2.000 und 5.000 €  p.a. heraus, in einigen Jahren sogar Erstattungen. Sie erklären dann auf dieser Grundlage. Das FA leitet einige Zeit später ein Steuerstrafverfahren gegen Sie und Ihren Mandanten ein wegen falschen Angaben, die Sie im Rahmen der Selbstanzeige billigend in Kauf nehmend gemacht haben und steuerlich nicht gerechtfertigte Steuervorteile dadurch für Ihren Mandanten erlangt haben, nämlich eine Verzinsung über 0,5 % pro Monat in 13 Fällen aus jeweils 100.000 €, die Ihr Mandant offensichtlich nie schuldete, wie die von Ihnen eingereichten Bankbelege zeigen. Hätten Sie zutreffend geschätzt, wären von Ihnen nur ca. 5.000 bis 10.000 € p.a. geschätzt und diese dann auch nur festgesetzt worden. Zinsschaden der Finanzverwaltung: 13* (100.000 € – 10.000 €)= 90.000 € p.a. * 0,5 % = 5.850 € p.M * 9 Monate = 52.650 € = besonders schwerer Fall …? Was nun, Frau/Herr Berater?

Anderer Fall: ein neuer Mandant kommt zu Ihnen ins Büro:  er sei Buchhalter einer Firma gewesen und habe in Abstimmung mit seinem Chef Scheinrechnungen in die Buchhaltung eingebucht. Er sei mittlerweile wegen einer sexuellen Belästigung einer Kollegin gefeuert worden. Jetzt möchte er eine Selbstanzeige erstatten. Er weiß nicht ob das geht. Es könnte eine Betriebsprüfung bei dem Betrieb schon angekündigt oder begonnen haben. Kann er jetzt noch straffrei werden? Dass seine Selbstanzeige zur Strafanzeige gegen den Chef wird, sei ihm recht. Aber er habe gehört, dass eine Prüfungsanordnung schon ein Sperrwirkungstatbestand sein könne…. kann er Akteneinsicht in die Steuerakten seiner alten Firma beantrage um festzustellen, ob die Selbstanzeige für ihn noch straffrei ist? Er möchte jedenfalls kein Strafverfahren haben… können sie ihn sicher retten? Kann er eine Selbstanzeige nur für den Fall abgeben, dass noch keine Sperrwirkung vorliegt?  Hätten Sie es gewusst? Können Sie den Mandanten beraten oder schicken Sie ihn lieber unverrichteter Dinge weg – oder schicken Sie ihn zu mir? Was tun Sie?

Anderer neuer Mandant kommt: Er hatte Vermietungseinkünfte einer Wohnung in 2010 (alternativ spielt der Fall jeweils ein Jahr früher) übersehen und die Erklärung 2010, für die der Bescheid im Dezember 2011 kam, nun im März 2012 berichtigt. Er habe 3 (alternativ 15) Wohnungen und dies sei wirklich versehentlich passiert. Nun hat nach dieser Berichtigung in der Erklärung 2012 gesehen, dass dort erneut Vermietungseinkünfte fehlen. Der Bescheid für 2012 kam im November 2013. Diesmal mehrere Monate zweier Wohnungen nicht angegeben. Kann er die Erklärung 2012 berichtigen? Er habe gehört, die Selbstanzeige müsse vollständig sein … und zwei aufeinanderfolgende Selbstanzeigen in derselben Steuerart schlössen sich gegenseitig aus: die erste belege angeblich die Unvollständigkeit der zweiten und umgekehrt. Spielt es dabei eine Rolle, ob er 3 oder 15 Wohnungen habe oder ob die erste Selbstanzeige vor dem 03.05.11 abgegeben wurde und wenn ja warum?

Diese und andere praxisrelevante Probleme erläutert der Profi lebendig, verständlich und instruktiv. Haftungsfallen, die Sie kennen und vermeiden müssen.